Empfehlungen zur Weiterentwicklung
Photo by Matteo De Simone

Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Kommunikations und Medienwissenschaften in Deutschland

Wissenschaftsrat (25. Mai 2007)

Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder. Er hat die Aufgabe, Empfehlungen zur inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung zu erarbeiten. Im Mai legte er eine Studie vor, die sich umfassend mit der Weiterentwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaften in Deutschland beschäftigt.

Im Hinblick auf den Berufseinstieg in die Medien- und Unterhaltungsbranche besonders interessant:

  • Von 1995 bis 2005 hat sich die Anzahl derer, die 'irgendwas mit Medien' studieren, auf knapp 55.000 Studierende nahezu verdoppelt. Bundesweit existieren mittlerweile rund 400 medien- und kommunikationswissenschaftliche Studiengänge.
  • Auf der anderen Seite stieg auch die Anzahl der Beschäftigten in der Medienbranche in den letzten zehn Jahren um 300,000 an. Im Jahr 2005 betrug der Umsatz der Branche rund 57 Milliarden Euro. Für die Zukunft wird mit einer jährlichen Wachstumsrate von 4,2 Prozent gerechnet.
  • Kommunikations- und Medienwissenschaftler haben selbst ohne Promotion und ohne Universitätsabschluss gute Chancen, einen relativ gut bezahlten Arbeitsplatz zu finden.
    Sie haben deutlich stärker als die Geisteswissenschaftler vom Wachstum des Berufsfelds Medien profitiert.

Erfreuliche Zahlen, die auf einer Auswertung des Mikozensus des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung beruhen. Im Hinblick auf den Einstieg in journalistische Berufe zeigen sich jedoch auch einige Schattenseiten:

  • Voraussetzungen für den – meist in Form eines Volontariats vollzogenen – Berufseinstieg in die Redaktionen von Zeitungsverlagen sind in der Regel erste praktische Erfahrungen im Mediensektor (Praktika, freie Mitarbeit) sowie ein abgeschlossenes Studium. Die Fachrichtung des Studienabschlusses ist nur von sekundärer Bedeutung.
  • Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger e.V. (BDZV) finden sich unter den rund 85.000 Festangestellten im Zeitungsverlagssektor nach den Stellenkürzungen der vergangenen Jahre rd. 15.000 Redakteure sowie etwa 1.100 Volontäre. Auf eine freie Volontariatsstelle kommen nach Angaben des BDZV gegenwärtig bis zu 200 Bewerbungen.
  • Über ein Viertel der Absolventen der Kommunikations- und Medienwissenschaften arbeitet als Journalist, im Verlagsgewerbe oder bei Rundfunkveranstaltern. Dies bedeutet im Gegenzug allerdings, dass die überwiegende Mehrheit der Absolventen sich selbst nicht in diesem klassischen Berufsbild verortet.

 

Schlussfolgerung für Medien-Praktika

Die genannten Fakten legen den Verdacht nahe, dass die sehr große Nachfrage nach Praktika im Medienbereich eng mit der Verdopplung der Studierendenzahl in medien- und kommunikationswissenschaftlichen Studiengängen verknüpft ist. Die Studie des Wissenschaftsrates zeigt, dass das Studienziel vieler Kommunikations- und Medienwissenschaftler 'als Journalist arbeiten' sich oftmals nicht erfüllt. Drei Viertel der Absolventen arbeiten stattdessen in einem anderen Berufsbild innerhalb des breiten Spektrums der Medienberufe. Wie viele dieser jährlich rund 10,000 Absolventen während und nach dem Studium ein journalistisches Praktikum machen, bevor sie sich für ein anderes Berufsprofil entscheiden, darüber wird die Studie zur Praktika-Offensive Aufschluss geben.

Quelle: Studie des Wissenschaftsrats online

PRAKTIKA-ERFAHRUNGEN
In unser Datenbank können potentielle Praktikantinnen und Praktikanten Erfahrungen von diversen Medienpraktika nachlesen und nach ihrem Praktikum selber bewerten
PARTNER
Logo: DGB Jugend